„Persönliche Stärken, Träume, Wünsche, Grenzen“: Zu diesem Thema sollten Schülerinnen im WPK YOLO in Jahrgang 9 (gehört zur Pädagogikfachschaft der WPK) Texte im Poetry-Slam-Style erstellen – und entsprechend auch vortragen.
Die jeweils anderen Schülerinnen haben wertschätzendes Feedback gegeben, die Atmosphäre war sehr emotional und zugewandt. Hier sind zwei der durchweg gelungenen Werke:
Ich male mir Wege auf nächtlichem Papier,
Striche aus Hoffnung, die flüstern:
Geh weiter, ich bin hier!
Und irgendwo zwischen Zweifel und Sternenlicht
Steht eine Grenze und sagt: Weiter geht’s nicht!
Doch Träume sind Reisende, ohne Pass, ohne Plan,
Sie steigen über Mauern, die keiner je sah.
Sie ziehen mich mit auch wen Wege sich biegen,
denn Grenzen verlieren, wenn Träume sie kriegen.
Sie sagen: bleib stehen!
Ich sage: Ich versuch‘s
Denn ein Traum ohne Wagnis
ist ein Vogel im Busch.
Und ich will nicht warten, bis einer mich findet.
Ich will fliegen, auch wenn der Wind
manchmal spinnt.
Jede Grenze ist nur ein Stich im Kopf,
ein Echo von gestern, ein müder Stopp.
Doch mein Herz schlägt im Takt eines
leisen „Noch mehr“,
und ich folge dem Rhythmus, der klingt wie
ein Meer.
Ein Meer ohne Ufer, ein Schritt ohne Lande,
ein Funke, der wächst zu loderndem Brand.
Den Träume brennen heller, wenn Zweifel sie kühlen,
und Grenzen beginnen im Inneren zu schmelzen, zu fühlen.
Also zieh‘ ich die Linie neu, Stück für Stück,
dreh Mauern zu Türen und Rückschritt für Glück.
Ich gehe weiter, auch wenn mich die Nacht kurz verschreckt,
denn ein Traum, der mich ruft, hat mich längst
schon geweckt.
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Ich stehe auf einer Linie
zu schmal fürs Bleiben,
zu breit fürs Falen.
Und in mir klopft ein Traum,
laut genug, um Grenzen zittern zu lassen.
Man sagt, Grenzen schützen.
Doch oft sind sie Mauern,
von fremden Stimmen gebaut,
von mir selbst bewacht.
Meine Träume?
Zu groß für meine Schuhe
aber ich wachse hinein,
mit jedem Schrit, der wackelt,
mit jedem „Nein",
das ich in ein „Doch" atme.
Grenzen sind Sand,
den man wegpusten kann.
Träume sind Staubsterne
sie bleiben, selbst im Dunkeln.
Die Welt fragt nach Realismus.
Ich frage zurück:
Warum kleiner träumen
als das, was in mir brennt?
Meine Grenzen schreien „Stopp"
Meine Träume flüstern „Weiter"
Und vieleicht ist Mut nur das:
Mit Flügeln über Linien steigen,
die andere für endgültig halten.
Jetzt steh ich wieder auf der Linie
doch diesmal tanze ich.
Und mein Traum?
Der wohnt längst hier.
Illustration: ChatGPT